Frei bewegen

Eric N. Franklin: Frei bewegen – Mit der wissenschaftlich fundierten Franklin-Methode zu mehr Beweglichkeit und einer dynamisch perfekten Haltung, 400 Seiten, über 250 schwarzweiß Fotos und Illustrationen, riva Verlag, München 2021, Preis 29,99 € (D) ISBN 978-3-7423-1199-3.

Eric N. Franklin: Frei bewegen, Buchrezension

Nach erfolgreich abgeschlossenen Studiengängen der Sportwissenschaft (Universität Zürich) sowie in Tanz und Choreografie (Tanzhochschule der Universität New York) arbeitete Eric N. Franklin als Balletttänzer, Choreograf und als Bewegungspädagoge, bevor er Mitte der 1980er Jahre erste Ansätze für seine eigene auf Mentaltechnik gestützte Bewegungslehre begründete und sie  schon sehr früh als „Imaginative Bewegungspädagogik“ bezeichnete. Unter ständiger Weiterentwicklung generierte daraus im Laufe der Jahre die sowohl im deutschsprachigen Raum als auch international bekannt gewordene und wissenschaftlich anerkannte Franklin-Methode®. Nun legt der Begründer ein umfassendes Standardwerk zu seiner Methode vor, in dem er für eine zielführende Anleitungspraxis miteinander verknüpfte Grundlagen der Anatomie, Biomechanik und neurokognitiven Imagination aufbereitet. Die Übungen erzielen nicht nur eine dynamische Körperhaltung und ökonomische Beweglichkeit, sondern ermöglichen auch ein achtsamkeitsbasiertes und sinnverstehendes Körper- und Bewegungslernen. Sie wirken außerdem förderlich auf die Neuroplastizität des Gehirns und auf psychische Kompetenzen der Selbstwirksamkeit und des Selbstmanagements.  

Das Buch besteht aus vier Hauptteilen, die insgesamt in 17 einzelne Kapitel gegliedert sind. Einleitend schildert der Autor, wie ihn während seines Tanzstudiums die ersten Berührungen mit bewussten Körperwahrnehmungs- und Entspannungsübungen in Verbindung mit symbolhaften Bildern überzeugten, welch großen Einfluss Gedanken und Vorstellungen auf den Körper und das Bewegungsverhalten nehmen können. Mithilfe jener Gedankenbilder verbesserten sich seine tänzerischen Fähigkeiten so sehr, dass er diese visualisierende Arbeit vertiefen und ausbauen wollte. Er studierte entsprechende Literatur und nahm Unterricht bei verschiedenen Lehrer*innen, die ihre Körper- und Bewegungsarbeit ebenfalls auf Mentaltechniken stützten. 

Teil 1 befasst sich mit der Körperhaltung und derer inneren und äußeren Beeinflussbarkeit und Wandelbarkeit und führt anhand von einfachen Übungsvorschlägen in die praktische Arbeit mit Gedankenbildern ein. Neurokognitives Imaginieren beruht auf dem Ansatz der „Ideokinese“, einer Bewegungslehre, die auf die amerikanische Hochschullehrerein Mable Todd und deren Schülerin Lulu Sweigard zurückgeht. In der Franklin-Methode® wird Ideokinese (griechisch: idea = Idee, kinesis = Bewegung) als Kraft der Gedanken und Vorstellung verstanden, mit der die Körperhaltung dynamisch ausgerichtet und ungünstige Bewegungsgewohnheiten positiv umgestaltet werden können. Das Ziel der dynamischen Körperausrichtung ist eine stabile und zugleich fließende Haltung, die auf äußere und innere Reize mit fein aufeinander abgestimmten Muskelkräften und Gelenkfunktionen ausgewogen reagieren kann.  

Teil 2 beschreibt anatomische und biomechanische Prinzipien sowie die Gesetze der Bewegung und der Kraft unter Einbezug der Gelenk- und Muskelfunktionen, der Muskelketten und -faszien, was für ein komplexes Verstehen  senso- und psychomotorischer Vorgänge mit ihren Wechselbeziehungen zu vegetativ gesteuerten Funktionssystemen wie Atmung, Herzschlag oder Darmperistaltik bedeutend ist. Auch die Kapitel dieses Buchteils sind durch Beispiele praktisch anwendbarer Gedankenbilder und Metaphern gut nachvollziehbar dargestellt, sodass die körpereigene Anatomie und Biomechanik visualisiert und spürbar erlebt werden kann. Zudem motivieren die Übungsanleitungen, mit eigenen aus den Lebenserfahrungen kommenden Vorstellungsbildern die Visualisierung von Bindegewebe, Faszien, Knochen, Gelenken und Muskeln zu üben.  

Die in Teil 1 und 2 vermittelten ideokinetischen Übungsprinzipien und Grundkenntnisse der Anatomie und Biomechanik sind Voraussetzung für das Üben mit anatomischen Vorstellungsbildern. In Teil 3 leitet der Autor gegliedert nach Körperabschnitten gezielte Übungen an, die das Körperbewusstsein verbessern und die Körperhaltung verfeinern – auch in Bezug auf die Atmung, inneren Organe und mentale Haltung. Die Übungen in Teil 4 fördern die ganzheitliche Integration der Körperhaltung und deren dynamische Ausrichtung in den Bewegungsalltag mit dem Ziel, den Körper von inneren (emotionalen) und äußeren (muskulären) Verspannungen und Bewegungsblockaden zu befreien.    

Fazit

Dieses didaktisch meisterhaft gelungene Werk kann als Lehr- und Praxisbuch genutzt werden. Selbst erfahrene Bewegungspädagog*innen und therapeut*innen mit profunden Kenntnissen der Anatomie und der funktionellen Bewegungslehre werden aus einem erweiterten Blickwinkel die Strukturen und Funktionen des Körpers neu betrachten und daraus wertvolle Anregungen für Erklärungsmodelle für ihre Körper- und Bewegungsarbeit gewinnen können. Am Ende des Buchs finden sich ein deutsch-lateinisches Muskel-Glosar, ein Verzeichnis der Lage- und Richtungsbezeichnungen sowie ein Stichwort- und ein Literaturverzeichnis. Zudem veranschaulichen zahlreiche Fotos und Illustrationen die detaillierten Erklärungen des Autors. Damit ist es auch als Übungsbuch für interessierte Laien sehr gut geeignet.

Cornelia M. Kopelsky, Service für bewegende Publikationen
Freie Fachjournalistin und Fachautorin
Feckweilerbruch 28, 55765 Birkenfeld / Nahe

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