Herz in Bewegung Ausgabe 58

  • Editorial
  • Aus Medizin und Wissenschaft
  • Aus- und Fortbildung
  • Vereinsporträt: „Onkologische Trainingsgruppe – OnTra“ in Chemnitz
  • Interview mit Klaus-Dieter Schubert von der LipidHilfe-Lp(a)
  • Aus der Geschäftsstelle
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Ärztliche Betreuung von ambulanten Herzgruppen. Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK) in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen (DGPR)

Ambulante Herzgruppen sind ein wichtiger Teil der kardiovaskulären Langzeitprävention. Der eigentlich notwendigen Ausweitung des Angebotes ambulanter Herzgruppen steht der zunehmende ärztliche Fachkräftemangel entgegen, da bisher alle Herzgruppen von Ärzten begleitet werden müssen. Studiendaten zeigen, dass während der letzten Jahrzehnte das Risiko von schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignissen während Bewegungstherapie gesunken ist. Dies ist v. a. auf die Fortschritte der kardiovaskulären Medizin im Hinblick auf Revaskularisationsstrategien und medikamentöse Therapie zurückzuführen.

Es erscheint somit nicht mehr notwendig, jede Herzgruppe von einem Arzt begleiten zu lassen, sondern es sollte eine Risikostratifikation erfolgen. In der „Standardherzgruppe“ ist keine ärztliche Anwesenheit erforderlich. Die Gruppe wird von einem nichtärztlichen Herzgruppenleiter angeleitet, der über eine entsprechende Qualifikation verfügt. Zudem muss ein automatischer externer Defibrillator (AED) vor Ort sein und die Möglichkeit eines sofortigen Notrufes an den Rettungsdienst gegeben sein. In der „Herzgruppe mit erhöhtem Betreuungsbedarf“ wird hingegen eine ärztliche Anwesenheit benötigt. In diese Gruppe werden Patienten eingeteilt, bei denen Risikokriterien, wie z.B. Angina pectoris oder Dyspnoe bei Belastung, erfüllt sind. Ausgenommen von dieser Risikostratifikation sind Patienten, die die Aufnahmekriterien einer „Herzinsuffizienzherzgruppe“ erfüllen.

Diese neu seit Anfang 2020 eingeführte Hochrisiko-Herzgruppe wird durch speziell ausgebildete Herzgruppenleiter und Ärzte angeleitet. Es wird kalkuliert, dass nach der vorgeschlagenen Regelung bei etwa 50 % aller Herzgruppenpatienten keine ärztliche Gruppenbegleitung mehr benötigt wird. Durch dieses Modell könnten zukünftig noch mehr Patienten von ambulanten Herzgruppen profitieren, ohne dass ein Verlust an Sicherheit oder Effektivität zu befürchten wäre.

Vereinsporträt: „Onkologische Trainingsgruppe – OnTra“ in Chemnitz 

Der Verein für Gesundheitssport und Sporttherapie e.V. (VGS e.V.) wurde 2009 gegründet. Er setzt sich das Ziel, mit den im Verein organisierten Rehabilitationssport- und Gesundheits- sportangeboten Menschen im Chemnitzer Raum zum langfristigen und eigenverantwortlichen Sporttreiben zu motivieren. Das Angebot des Vereins beinhaltet drei Herzsportgruppen, eine Parkinsonsportgruppe, acht Wassergymnastikgruppen, sieben allgemeine Rehasportgruppen sowie die Möglichkeit im vereinseigenen Fitnessraum mit einem individuell erstellten Trainingsplan zu trainieren. Alle Übungsleiter sind Sportwissenschaftler mit der Spezialisierung Präventions-, Rehabilitations- und Fitnesssport. Sie erfüllen mit ihren Zusatzqualifikationen in den Bereichen Gesundheits- und Rehabilitationssport alle Voraussetzungen, um mit gesunden und mit chronisch kranken Menschen ein auf deren individuelle Belastbarkeit abgestimmtes Trainingsprogramm zu planen und durchzuführen.

Um einen Beitrag zu einer evidenzbasierten Sporttherapie leisten zu können, fördert der VGS Chemnitz e.V. die wissenschaftliche Forschung im Bereich Sporttherapie und Rehabilitation in Zusammenarbeit mit der Professur Sportmedizin/-biologie der Technischen Universität Chemnitz.

Im Oktober 2020 startete der Verein die „Onkologische Trainingsgruppe – OnTra“, die Patienten mit einer Krebserkrankung während der Behandlung (Operation, Bestrahlung, Chemo- und Hormontherapie) bis hin zur Nachsorge in Wohnortnähe im Rahmen des Rehabilitationssports begleitet und unterstützt. Die bewegungstherapeutischen Aktivitäten werden von einem fachlich qualifizierten Therapeuten (mit Lizenz für onkologische Trainings- und Bewegungstherapie) donnerstags von 15.15 bis 16.15 Uhr in der Universitätsturnhalle am Thüringer Weg in Chemnitz durchgeführt. Zusätzlich ist eine zweite Gruppe in Planung. Obgleich die positiven Effekte von Bewegung und Sport in der Krebsbehandlung inzwischen bei verschiedenen Krebsarten nachgewiesen wurden, kann man aktuell leider noch nicht feststellen, dass bewegungstherapeutische Maßnahmen in der onkologische Behandlung schon ihren festen Platz haben. Teilweise werden Patienten in der Akut- und Rehabilitationsklinik viel zu häufig aus Unsicherheit „geschont“, sodass sich das Risiko für Folgen von körperlicher Inaktivität erhöht. Dabei kann der Bewegungsmangel beispielsweise zur Verstärkung von Nebenwirkungen der medizinischen Behandlung sowie zur Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen.

Die Bewegungstherapie mit Krebspatienten in Rehabilitationssportgruppen ist sehr anspruchsvoll, da die gezielte körperliche Aktivität stets unter Berücksichtigung von Wund- und Narbenheilung,

Aus der Geschäftsstelle: Selbsthilfe ist eine Quelle für den Austausch 

Im Gespräch mit Klaus-Dieter Schubert von der Selbsthilfegruppe LipidHilfe-Lp(a)

Ein Treffen in einer Selbsthilfegruppe ist in Zeiten des Lockdowns schwierig. Wie es dennoch geht, erläutert Klaus- Dieter Schubert von der Selbsthilfegruppe LipidHilfe-Lp(a), welche wir als LVS/ PR aktiv unterstützen und beraten. Die LipidHilfe-Lp(a) gründete sich im November 2019 und geht aktiv digitale Wege.

Wie sind Sie auf Selbsthilfe gekommen?
Zwei Tage nach meinem 60. Geburtstag konnte ich plötzlich nur noch schwer laufen. Ursache hierfür war eine Ader, die sich zugesetzt hatte. Über ein Jahr später stellte sich heraus, dass ein ausgeprägt erhöhter Lipoprotein(a)-Spiegel – kurz Lp(a) – verantwortlich war. Lp(a) hat thrombosefördernde Eigenschaften und kann zu beschleunigter Arterienverkalkung führen. Die Folge sind höhere Risiken für einen Herzinfarkt oder auch Schlaganfall. Während meiner Reha in Bad Gottleuba lernte ich andere Betroffene kennen. Wir erfuhren, dass die Problematik eines erhöhten Lp(a)-Spiegels und die damit verbundenen gesundheitlichen Risiken zum Teil noch nicht bekannt genug sind. Erst in den letzten sechs bis sieben Jahren erfolgte sukzessive eine Anerkennung als Krankheit. Es gibt Behandlungsmethoden wie Apherese und auch erste Medikamente. Diese müssen aber noch in Testserien bestehen. Dieses Wissen wollen wir bündeln und damit anderen Leuten helfen. Der Chefarzt der Median-Klinik Bad-Gottleuba, Dr. Christoph Altmann, machte uns schließlich auf die Möglichkeit der Selbsthilfe aufmerksam. Beim Landesverband Sachsen für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauf-Erkrankungen e. V. (LVS/PR), den gesetzlichen Krankenkassen, bei Dr. Altmann und auch in der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen (KISS) finden wir sehr gute Unterstützung. So gründeten sechs Betroffene am 22. November 2019 die Selbsthilfegruppe LipidHilfe-Lp(a).

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Selbsthilfegruppe?
Die Selbsthilfegruppe soll in erster Linie Quelle für den Informationsaustausch sein und dazu beitragen, die Bekanntheit in der Öffentlichkeit zu steigern. Außerdem wollen wir auch die Pharmaindustrie für unsere Problematik sensibilisieren. Regelmäßig finden Vorträge und Diskussionen zu krankheitsspezifischen Symptomen und Behandlungsansätzen von und mit medizinischem Fachpersonal statt. Wir sind niemandem verpflichtet. Wir wollen helfen – das steht für uns ganz oben. Ein gewisses Maß an Idealismus gehört einfach dazu.

Wie haben sich die Corona-Pandemie und der Lock-Down auf Ihr Gruppenleben ausgewirkt?
Tatsächlich hat Corona für uns kaum etwas verändert. Ja, wir können uns jetzt nur noch zu viert oder auch zu fünft in den Räumlichkeiten der KISS treffen. Aber auch im Vorfeld gab es schon Mitglieder, die sich elektronisch zu den Treffen zuschalteten, weil die Anfahrt einfach zu weit gewesen wäre. Die Zuschaltung der weiteren Gruppenmitglieder und Interessierten erfolgt über Skype. Das Internet läuft über einen Hotspot von meinem Mobiltelefon aus.

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Das vollständige Interview mit Klaus-Dieter Schubert und weitere Informationen finden Sie in der oben genannten Ausgabe Herz in Bewegung, Ausgabe 58.